So lernst Du (K)eine kennen! – 7 Tipps zu ZDF neoParadise Pick Up Artist um’s besser zu machen

Eine tolle Frau anzusprechen ist sicher der Traum von jedem Single. Klar, dass das Fernsehen dabei sein möchte, wenn ein „Könner“ seine Ansprechkunst entfaltet. Ein Könner heißt im Fach-Jargon „Pick up Artist“ (PUA) oder „Aufreißer“. Für die Sendung neoParadise hat sich das ZDF dazu den selbsternannten Aufreißer-Profi „Devil“ ausgesucht. Ihm schauen sie im Einkaufszentrum mit der Kamera zu. Nur läuft dann alles etwas anders.

Man kann genau beobachten, wie Man(n) es auf keinen Fall tun sollte. Viel schlimmer, ich erkläre später, wieso der Schuss nach hinten losgeht.

Aber zuerst mal dazu, was da passiert. Der arme Devil, oder Teufel kommt bescheidenst weg. Anschließend gebe ich als Date Doktor Einblicke, wieso das so ein Griff ins Dating-Klo war und sieben Dating-Tipps, wie Man(n) es besser zu machen. Auch, dass der Moderator Olli Schulz zuletzt nicht ganz fair blieb, erkläre ich. Viel Spaß!

„Was ist ein Pick up Artist?“ eröffnet Olli Schulz das Gespräch. Der Profi-Aufreißer (engl.: Pick up Artist) Devil betet die Mär vom guten Frauenaufreißer runter, der nur das glückliche Funkeln der Damenaugen im Visier hat. Abgenudelt!

Ehrlich wäre gewesen: „Olli, mein Alter, ich habe früher zu wenige abbekommen und möchte das jetzt für’s Ego ausgleichen.“ Aber stattdessen gibt es Versicherungsvertreter-Antworten. Und genauso schlapp und erfolglos wird Teil 1 in dem er völlig erfolglos versucht, Frauen anzusprechen.

Seine Fragen an die Damenwelt sind: „Weißt du wo hier die Post ist?“ „Kennst Du einen Club, ein Freund kommt zu Besuch?“ Viele lassen ihn sofort stehen.

Olli Schulz bekommt Fremdschämattacken. Alles, was Devil aufreißt, ist ein kleines Gespräch mit einem abschließenden „High Five“. Ich musste an Barney aus „How I Met Your Mother“ denken. Peinlich. Ich hätte an der Stelle des netten Mädchens auch den „High Five“ von Devil beantwortet. Aus Mitleid – und wäre dann ebenso gegangen.

Teil 2 geht ähnlich katastrophal weiter. Nach diesem totalen Flopp gesteht Devil nicht mal seine Schlappe ein, sondern gibt dem Moderator noch Tipps zu seinen Sprüchen (die eben noch alle nicht funktioniert haben!).

Daraufhin geht Olli Schulz selbst los. Er ist natürlicher und lockerer. Aber erst als er auf die Tipps des Profiaufreißers pfeift, gelingt es ihm, vor laufender Kamera eine Nummer zu ergattern.

Aber das genügt dem Moderator nicht. Er schien sich sehr über Devils große Klappe und falsche Ansagen geärgert zu haben und bereitet eine saftige Retour-Kutsche vor. Er spricht zwei Frauen direkt mit der Frage an, ob sie nicht mit ihm in die Sauna gehen wollen. So könnten sie sich viel „besser“ kennen lernen, argumentiert er aggressiv weiter. Dabei ist er von der Körpersprache her sehr direkt, ja geht fast wie ein Psycho Schritt für Schritt auf die zurückweichende Frau zu. Die Frauen bekommen natürlich Angst, eine schubst ihn sogar weg. Olli Schulz hatte diese Reaktion provoziert. Er rennt entrüstet zu Devil und macht ihm eine waschechte Szene. „Wir brechen die Sch…e jetzt ab. Die hat mich so weg geschubst.“ und „Das hat überhaupt nicht funktioniert, du Penner.“

Devil hatte einen Dämpfer verdient, aber der hatte sich natürlich gewaschen. Wie ein Vertreter reagiert er selbst zum Schluss aalglatt und meint, er hatte Spaß. Spaß? Der größte Unsinn! Es war eine totale Blamage. Spaß hatten hier nur die Zuschauer.

Wie hätte man es besser machen können? Was waren dicke Fehler?

1) Vorbereitung: Devil hat den klassischen Fehler gemacht und sich nicht vorbereitet.

Fragen, die ich im Vorfeld kläre: Wann und wo bin ich gut drauf, um beim Kennenlernen etwas Ausstrahlung zu haben. Wenn ich in Einkaufszentren nicht geübt habe, Menschen anzusprechen, wird es nicht einfach so klappen.

Das bringt mich direkt zu…

2) Übung. So wie Devil rumstorkste, war er nicht in Übung. Wenn nämlich das Ansprechen von Frauen so leicht wäre, könnte es jeder gut. Ist es aber nicht (und das Ansprechen von Männern ist nicht weniger schwer). Er wirkte nicht wie ein Profi, sondern wie ein Schüler, der ein paar Sätze ausprobierte. Null geübt also.

3) Fragenkaskaden. Ist total unnatürlich. Aber ich komme später noch zu besseren Varianten der Gesprächsentwicklung.

4) Die Fähigkeit zu Reflexion und Ehrlichkeit fehlte komplett. Ich kann keine tolle Person kennenlernen, wenn ich nicht mal zwischendurch die Hosen runterlassen kann und mir eingestehe: „Boah, läuft das gerade Sch..e!“ Keiner möchte einen aalglatten Menschen kennenlernen, der wissen will, wo die Post ist. Sorry.

Und da kommt schon der nächste Punkt:

5) Die vorbereiteten Sätze sind völlig banane, wenn dahinter kein kleiner vorbereiteter Dialog vorbereitet steht. Wie geht es weiter, wenn sie mit „Nein“ antwortet? Das Gespräch ist dann vorbei. Du als Mann stehst dumm da. Sie spürt das. Awkward Silence! Und dann ist sie weg. Also nehmen wir seinen ersten Satz und bauen einen Dialog dahinter.

„Weißt Du, wo hier die Post ist?“

„Nein.“

(Jetzt muss etwas Sinnvolles kommen!)

Variante 1: „Mensch schade, mein Handy ist leer und ich habe keine Karte, um danach zu schauen, wo eine ist. Ich glaube, ich bin völlig falsch. Ich muss da dringend hin. Was mach ich denn jetzt? – Sag mal, ich weiß, das ist viel verlangt, aber könntest Du ganz kurz in Deine Maps schauen, falls Du Internet auf Deinem Handy hast. Sorry…“

Hier hätte es Frauen gegeben, die hätten ihm geholfen. Mensch helfen gern an sich. Aber nicht bei so komisch frontalen Fragen. Über das gemeinsame Projekt im Handy nach der Post zu schauen, wäre mehr Nähe entstanden als durch seine Frage nach der Party-Location.

6) Ich mag Ehrlichkeit, weil es authentischer wirkt. Auch der Moderator hat teilweise Ehrlichkeit als Stärke genutzt. Und ich verwende mal die Fragen nach der Post als Gesprächseröffner und mache dann ehrlich weiter:

„Sag mal weißt du wo hier die Post ist?“

„Nein.“

Variante 2: „Das habe ich schon befürchtet. Sorry, dass ich dich gefragt habe, aber mir ist einfach nichts Besseres eingefallen.“ (Dabei etwas rumdrucksen und sehen, ob sie zumacht oder abwartet)

„Eigentlich habe ich nur nach einem Grund gesucht, dich kurz anzuquatschen. Ich weiß, völlig schwachsinnig, wer glaubt schon daran dass man jemanden im Einkaufszentrum kennenlernen könnte.“ (Wieder etwas schüchtern rumdrucksen und sehen, ob sie zumacht oder weiter wartet.)

Vielleicht widerspricht sie sogar: „Finde ich nicht so schwachsinnig.“

Dann das Gespräch auf einen kurzen (!) Kaffee oder ein Brötchen beim nächsten Stand bringen. Es muss leicht und schnell gehen. Unkompliziert. Dabei versichern, dass sie gleich anschließend wieder ihre „Freiheit“ hat, weil Du selber so viel zu tun hast. Ganz wichtig ist es, das dann auch so handzuhaben.

Wenn Du das vorbringst, kommst Du in den ehrlichen Ort Deiner Psyche und das macht Dich authentischer. Es werden Dich immer noch Frauen stehen lassen, aber weniger. Und die, die etwas Zeit haben oder Lust auf eine kurze Unterbrechung, die gehen darauf ein. Wenn Du nach dem kurzen Kaffee auch noch die Düse machst und sie in Ruhe lässt, weckst Du Vertrauen. Und daraus kann ein echtes Kennenlernen mit dem Austausch der E-Mail-Adresse oder Telefonnummer werden.

Es gäbe noch zig weitere Varianten. Alle haben gemeinsam, dass sie vorbereitet und geübt werden müssen.

7) Alle haben gemeinsam, dass sie zu Dir passen müssen.

Und alle brauchen etwas, dass ich Seele nenne. Entweder ist die Seele „Ehrlichkeit“ oder „echter Humor“, weil du gerade tatsächlich lustig drauf bist (dem Moderator ist das mit der kleinen Süßen und dem erzählten Witz so gegangen). Eine Seele kann „gute Laune“ sein oder eine andere „echte Lockerheit“. Ist keine derartige Seele dabei, wirst du als komischer Kerl mit einem noch komischeren Anliegen enttarnt. Frauen haben einen sechsten Sinn, einen so genannten „Bullshit-Alarm“ und wenn der anschlägt, bist du draußen.

Leider hatte Devil all das gar nicht im Griff. Ich traue ihm zu, dass er mit ein paar Jungs im Rücken, die ihn bewundern, im Alexa vielleicht etwas gerissen hätte. Aber das ist keine besondere Leistung. Mit Rückenwind von Bewunderern ist jeder Mann ein potentieller Aufreißer.

Ich hoffe die neoParadise-Sendung hat schüchterne Menschen nicht zu sehr abgeschreckt. Sonst gibt es nach der Sendung noch mehr Singles.

Wie immer hoffe ich, es war etwas für Euch dabei. Habt Ihr schon mal jemanden im Kaufhaus kennengelernt? Was hat Euch gefallen? Noch Fragen? Viel Spaß und mehr Erfolg beim Kennenlernen! 🙂

Euer Date Doktor Emanuel

 

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