Mit dem Date in einer Wolke – Cloud Atlas Review & Filmkritik

4 Paare, 1 Film und eine Frage:

Ist Cloud Atlas Date-tauglich?

Wir haben die Probe gemacht und sind mit vier Paaren in die Vorpremiere von Cloud Atlas gegangen.

Es beginnt schön und reißerisch mit großen Bildern, großem Kino, vielen Handlungssträngen und noch mehr tollen Stars. Werden die Wachowski-Brüder, Pardon!, die Wachowski-Geschwister (Larry ist jetzt Lana!) halten, was man sich von ihnen verspricht? Wird Tom Tykwer alle wieder rennen lassen um Hochspannung zu erzeugen?

Nach den ersten Minuten sind wir alle gespannt und freuen uns auf ein langes Spektakel mit vielen bekannten Gesichtern wie Halle Berry und Tom Hanks oder Hugh Grant und Susan Sarandon oder Hugo Weaving und Jim Broadbent. Die drei Regisseure lassen sich mit dem Film Zeit. 173 Minuten. Das sind fast drei Stunden und damit für ein erstes Date schon ein großes Minus. Wird anschließend noch Zeit und Laune für einen kleinen Drink mit der Angebeteten sein? Ich erwarte es eher nicht, lass mich aber überraschen.

Zurück zum Film. Wir springen. Wir springen durch verschiedene Handlungsstränge. Wer lange Romane oder viele verschiedene Charaktere mag, der freut sich zunächst. Wer eine stringente Story möchte, wird direkt eingenebelt.

Gut zwei von drei Stunden später, sind fast alle ein wenig eingenebelt in der Wolke der Cloud Atlas-Stories. Zwar verstehen wir längst die verschiedenen Handlungsstränge, aber den meisten fehlt Spannung oder Realität oder irgendetwas, womit ich mich identifizieren kann. Das ist schlecht.

Und da passiert die erste Dating-Katastrophe. Die erste Frau von unseren vier Dates geht! Sie muss morgen wegen dem Job sehr früh raus. Ganz schlecht für den dazugehörigen Mann. Bleibt er? Geht er? Egal, sein Date ist die Toilette runter. Danke, Lana!

Überhaupt ist es den Mädels ein wenig zu brutal, ein wenig zu viel niedere menschliche Emotionen. Man gewöhnt sich im Laufe des Films daran, fragt sich später aber: Warum?

Warum die Wilden im Wald, die böse sind, alles einfach platt machen ohne jede Agenda und Sinn? Warum die Altersheim-Episode? Warum muss der schwule, begabte Künstler zu den wenigen sterbenden Guten gehören?

Und dann wenig echte Lichtblicke, wie die futuristische Neo-Seoul-Episode. Sie war stimmig, spannend, actionreich mit Hero-Charakter und Spannungsbogen. Doona Bae hat die Rolle toll ausgefüllt. Wenngleich das Thema: „Tote werden an Lebendige verfüttert“ schon mit Soylent Green und Matrix etwas durch ist.

Und da naht die zweite Dating-Katastrophe. Date-Frau No. 2 wird zum Wackelkandidaten. Wir bitten sie doch noch kurz zu bleiben. Gar nicht gut!

Wie geht es mit Cloud Atlas zu Ende? Es ist nicht langweilig, auf jeden Fall wird viel Geschichte geboten, aber man fragt sich ständig „Wofür?“ und „Warum?“.

Warum sind die Mächtigen immer böse und die Unterdrückten immer die Guten?

Warum passiert den Guten immer nur Schlechtes? Und am Ende werden alle irgendwie gerettet. Das haben alle Geschichten gemeinsam, völlig unkreativ.

Warum ist der Böse in allen Teilstreifen immer der Böse und der Gute immer der Gute? Das ist Klischee und unkreativ. Falls der Film wirklich Prinzipien von Kharma durchspielen wollte, so hätten die Charaktere wie unser klassisch böser Hugo Weaving, aka Agent Smith auch mal der Retter sein können und Halle Berry auch mal die verfolgende Bestie. Allein Tom Hanks wechselt mit toller schauspielerischer Leistung die Seiten hin und her.

Mit der Schlussszene springt Date-Frau 2 auf und will raus und nach Hause. Sie ist müde.

Mit 1,5 weggelaufenen Frauen, knapp drei Stunden teils harter Unmenschlichkeiten und einem nerdigen Hauch von Sci-Fi fällt der Cloud Atlas als Date-Film ziemlich durch. Auf der Skala 0 (absolut Date-untauglich) bis 10 (absolut Date-tauglich) bekommt er eine 2. Die zwei Punkte sind für schöne Bilder, ein paar schöne Momenten und die Leistungen von Halle Berry, Tom Hanks und Doona Bae.

Die Emotionen, die Cloud Atlas im Großen und Ganzen weckt, werden nicht helfen, das Herz einer Frau oder eines Mannes zu erobern. Sorry.

Was ist Euch bei dem Streifen aufgefallen? Wart Ihr mit einem Date oder Partner drin?

 

8 Gedanken zu „Mit dem Date in einer Wolke – Cloud Atlas Review & Filmkritik“

  1. Thank you for this review. Since I already watched this movie, I absolutely agree with everything. Looking forward to your new blog text.

    ps. Live long google translate 😉

    1. Thank you. You read my dating-blog with google translate? I like 😉 And there will be more dating-movie-reviews coming.

    1. Gern 🙂 Ohne ein paar Jungs, die auf Sci-Fi oder Literaturverfilmungs-Schinken stehen, würde ich ihn definitiv nicht empfehlen.

  2. Dieses Review ist gespickt mit Unwahrheiten. Das ganze Konzept des Film wird hier falsch wiedergegeben, sodass ich nur vermuten kann, dass es einfach nicht erfasst wurde. Die hier gestellten Fragen deuten darauf hin, dass scheinbar im Film alles erklärt werden sollte, damit man ja nicht selbst nachdenken muss. Warum die Altersheim-Episode? Warum die wildernden Kannibalen? Nachdenken ist hier angesagt! Ich werde diese Fragen nicht beantworten, da es sonst den Rahmen sprengen würde.

    Ich stimme dem Review in einem Punkt zu: Für ein erstes Date ist er nicht geeignet. Zu hoch ist der Gewaltgrad, zu sehr muss man sich auf den Film einlassen. Man kann sich nicht gleichzeitig auf den Film konzentrieren UND auf das Date. Aber wer nur deswegen in diesen Film geht, der hat bei Cloud Atlas sowieso schon verloren. Ich frage mich, wieviele erfolgreiche erste Dates es bei „Schindlers Liste“ oder „Der Untergang“ gab. Wer einen besseren Date-Film will, der sieht sich lieber Skyfall oder den Hobbit an. Oder besser noch Twilight! Da ist der Film sowieso so unglaublich anspruchslos und fade, dass man sich voll und ganz auf das Date konzentrieren kann!

    Für das Review gibt es 1/10 Punkten. Der Film wurde immerhin gesehen, aber nicht reflektiert und auch nicht korrekt wiedergegeben. Schade.

    1. Vielen dank für Deinen Feedback und Kommentar. Anscheinend haben wir verschiedene Dinge in diesem Film gesehen, bzw. auf verschiedene Dinge fokussiert. Für unser Date-Experiment war Cloud Atlas ein Reinfall und das färbt natürlich ab. Skyfall, den Du erwähnst, habe ich übrigens ebenfalls hier rezensiert. Und Twilight schreit förmlich nach einem Date-Test, da stimme ich zu. Aber das kommt ja diese Woche noch.

  3. Den Review kann ich nicht nachvollziehen. Insbesondere, da die Bewertung ja nicht nur hier im Blog sondern auch auf IMDB ohne den „Date Test Rahmen“ abgegeben wurde.

    Die subtile Nachricht die der Film vermittelt ist vermutlich für jeden Betrachter anders. Sie geht aber in jedem Fall weit über brutale Szenen und eine triviale Karma Information hinaus. Der Film ist und dem kann ich beipflichten kein „Background“ Gedudel für einen Date .

    Ganz im Gegenteil.

    Der Film ist es Wert als Film konzentriert wahrgenommen zu werden, weil er neben einer hervorragenden handwerklichen Qualität einige wirklich sehr gut aufgebaute Zusammenhänge herausarbeitet. Im Gegensatz zu all den anderen Blockbuster Produktionen kann man sich hier von einer wirklich herausragenden Ideenumsetzung überraschen lassen.

    Ein schlechtes Review für einen toller Film 7,8 / 10 !

    1. Vielen Dank für den Kommentar.

      In meinem Review habe ich bewusst einen anderen Ansatz gewählt: Wie kam er bei der Gruppe emotional an. Eine ist früher raus, eine ist erleichtert aufgesprungen als er fertig war. Keiner war inspiriert oder gut gelaunt. Jeder war müde und wollte heim.

      Da können die Wachowskis mit Tykwer einhändig Handstand auf der Bühne machen und dabei „Larry ist jetzt Lana“ singen, der Film bekommt keine gute Kritik von mir. Vielleicht habe ich mich mit zugrunde liegenden Theorien und Literatur schon zu lange beschäftigt, aber die teils filigran und aufwendig gesponnen Zusammenhänge und Gedanken kamen mir bekannt, unvollständig, schon fast ausgeleiert vor.

      Es erinnerte mich an eine monströse, mehrstockige Torte mit aufwendiger Verzierung, handwerklich ein wunderbares Stück, nur leider aus billigen Zutaten erstellt. Egal wie geil das Teil aussieht, es schmeckt einfach fade.

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